Aldo Bachmayer: Von Pop zu Joyce
Aldo Bachmayer, 1947 geboren, in Luzern aufgewachsen, gelernter ETH-Architekt, war von den frühen siebziger Jahren an eine bekannte Figur der Zürcher Kunstszene. Er gelangte zu einer sehr persönlichen Variante der Pop Art, die bei ihm eher eine kleinstädtischer italienischmittelmeerische Atmosphäre als eine anglo-amerikanische Massen- und Metropolitankultur spiegelte. Anders gesagt: Aldo Bachmayer zeigte sich vor allem lebensfroh (Sonne, Palmen, Papagalli), während die amerikanischen Pop Art-Künstler zur Kaltschnäuzigkeit und die Engländer zur Satire neigten. "Popig" war an Aldo Bachmayer, dass er die Welt in frechen Farben malte, fragmentiert, aus Versatzstücken, Stereotypen, Planschemata, Schlagwörtern und Signalen zusammengesetzt. Solche Standards der Zivilisation verband er mit "klassischer" Ornamentik und Musterung: mit Karos, Würfeln, Mäandern, Rosengirlanden. Etwas später drang in dieses Universum aufgedonnerter Clichés eine eigenartig barocke Erotik; die Domina als Riesenweib, in hochhakigen Stiefeln und panzerartigen Korsetts.
Aldo Bachmayer belegte zunächst die malerisch bearbeitete Gestaltungsfläche mit CollageElementen, drängte dann von der Bildebene weg ins Räumliche, ins Relief. Er schuf eine für den Maler der Achtziger Jahre typische Spielform der Skulptur: keine Vollplastik, aber flache, freistellende, knallig bemalte Figuren aus Karton, Holz, Blech. Solche Klappfiguren bildeten oft überlebensgrosse Gruppen, zum Beispiel eine Jazzband für die Ueberbauung Rütiwiese in Adliswil/Zürich (1983), eine "Familie Schweizer" (1987 für eine Wohnstrasse in Zürich) oder - voll ausgereift - Wandreliefs in Schalterhalle und Sekretariat der UBS in Rorschach.
1984 zog Aldo Bachmayer hauptsächlich aus wirtschaftlichen Erwägungen aus der Stadt Zürich in die kleine Gemeinde Balgach/SG. Etwa gleichzeitig wandelte sich auch sein Stil. Er entdeckte jetzt eine poetische, mitunter rauschhafte Farbigkeit. Man darf sagen, dass er sich überhaupt von allen gerade in Mode stehenden Trends löste. Diese neu erworbene Freiheit befähigte ihn, das "Ulysses"-Projekt anzugehen, von dem hier eine grössere Werkgruppe ausgestellt ist. Der Zyklus wurde 1993 begonnen und im Herbst 1997 beendet. Die insgesamt 120 Bilder zeigen eindrücklich, dass sich der Künstler nicht mehr auf einen einzigen Stil beschränkt, sondern über sämtliche Tendenzen und Richtungen, wie sie unser Jahrhundert hervorgebracht hat, souverän verfügt.
Fritz Billeter