aus dem St. Galler Tagblatt
Regionen | Donnerstag, 18. Juli 2002

 

Kantonsarchäologe Martin Schindler
zeigt den im Rundgrab entdeckten
Menhir aus Sandstein. 

Er ist im Historischen Museum St. Gallen
ausgestellt.

 

Gerold Huber 


Lömmenschwiler Menhir 



An der thurgauisch-sankt-gallischen Grenze liegt das
einzige bekannte prähistorische Grab der Region.

Am Kopfende der Grabkammer stand senkrecht ein nach
oben spitz zulaufender Sandstein, ein so genannter
Menhir. Das Rundgrab liegt nahe der Eisenbahnlinie,
zwischen den Stationen Roggwil-Berg und Häggenschwil-Winden. 



Infolge einer falsch übertragenen Koordinate auf der
Landeskarte war der Fundort des Grabs im Jahr 1924 um
ganze 250 Meter nach Norden «in den Kanton Thurgau
gerutscht», auf die andere Seite des Trassees der
Bodensee-Toggenburg-Bahn. Da hätte man noch lange
suchen können ... 

Feuerbestattung bei Ostwind 

Die Fundstelle liegt zwischen den Weilern Wäldi, Holzrüti und
Langenhueb auf Häggenschwiler Gemeindegebiet, Ortsteil
Lömmenschwil. Gut dokumentiert ist sie in den «Quellen zur
Urgeschichte des Kantons Thurgau». Darin ist unter
«Egnach, Bezirk Arbon» ein 2,2 Meter langes, 0,5 Meter
breites, von Südost nach Nordwest orientiertes
Steinplattengrab beschrieben, mit einer Stele am Kopfende.
Dieser Menhir - er befindet sich heute im Archiv des
Historischen Museums St. Gallen - besteht aus gelblichem,
feinkörnigem Sandstein. Interessant die Folgerungen aus
dem Grabfund: «Die Leichenverbrennung muss bei starkem
Ostwind stattgefunden haben, da viel Asche zwischen die
Steine der Westwand hineingeweht war.» Die Innenseite
der Grabkammer sei vom Feuer rot gebrannt gewesen; in
der Aschenschicht auf dem festgestampften Erdboden sei
Buchenkohle festgestellt worden. 

Eisen- oder Bronzezeit 

Die kreisförmige Aufschüttung über der Grabkammer (10 m
Durchmesser, 70 cm hoch) habe aus Steinen bestanden.
Nach Kantonsarchäologe Martin Schindler ist die Grabstätte
zwischen 1500 und 3200 Jahre alt, denn Grabhügel seien bis
ins frühe Mittelalter üblich gewesen. «Die Feuerbestattung
weist aber auf die ältere Eisenzeit hin (800-600 v. Chr.)
oder gar auf die mittlere Bronzezeit (1500-1200 v. Chr.).»
Das Lömmenschwiler Grab ist das einzige bekannte dieser
Art in der Region St. Gallen. Anhand (vielleicht noch
vorhandener) Kohle- oder Knochenreste könnte es mit
heutigen Methoden genau datiert werden. 



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