Präzession, eine langsame Schwingung der Erdachse um die Senkrechte auf der Erdbahnebene. Es handelt sich dabei um denselben Effekt, wie er bei einem Kinderkreisel beobachtet werden kann. Die Präzession kann direkt am Himmel durch eine Verlagerung des nördlichen bzw. südlichen Himmelspols gegenüber den Sternen festgestellt werden. Sie wurde erstmals von Hipparch entdeckt. Die physikalische Erklärung der Präzession wurde dagegen erst von Newton gefunden. Die Ursache liegt darin, daß die Erde ein abgeplatteter Himmelskörper ist, dessen Achse um etwa 66,5° gegen die Erdbahnebene geneigt ist Sonne und Mond zerren an dem Äquatorwulst der Erde und möchten die Erdachse aufrichten. 

 

Aber auch der Frühlingspunkt verlagert sich systematisch durch die 12 Tierkreissternbilder. Noch vor etwa 2000 Jahren lag der Frühlingspunkt etwa an der Grenze der Sternbilder Fische und Widder und wurde deswegen auch als Widderpunkt bezeichnet. Gegenwärtig befindet sich der Frühlingspunkt im westlichsten Teil der Fische und wird nach etwa 600 Jahren den Wassermann erreichen. Die Präzession ist Ursache für den Unterschied zwischen Tierkreissternbildern und Tierkreiszeichen.Die bisher erwähnten Effekte, die auf Sonne und Mond zurückzuführen sind werden als Lunisolarpräzession bezeichnet. Aber auch die Anziehungswirkung der Planeten spielt eine gewisse Rolle (Planetenpräzession). Die Lunisolarpräzession beträgt pro Jahr 50,3878" (für 2000,0) Davon ist eine Verlagerung von 30" auf den Mond, der Rest auf die Sonne zurückzuführen. 
Die Achse des Kreisels Erde folgt aber dem nicht unmittelbar, sondern weicht diesem Drehmoment in einer rechtwinkligen Bewegung aus. Ein Umschwung der Erdachse dauert dabei 25 850 Jahre ( Platonisches Jahr). Als Folge der Präzession werden in künftiger Zeit andere PoIarsterne eine Rolle spielen, so z. B. etwa im Jahre 7500 n. Chr. Alderamin im Cepheus, im Jahre 9300 n.Chr.
Deneb im Schwan und im Jahre 14 000 n Chr. der Stern Wega. Allerdings kommen diese Sterne nicht so eng an den Himmelsnordpol heran wie unser heutiger Polarstern.
Die Präzession durch die Planeten macht 0,1055" pro Jahr aus. Hinzu kommt ein relativistischer Effekt (geodätische Präzession) von 0,02". Mit der Präzession ist auch eine nicht unbeträchtliche Veränderung der Schiefe der Ekliptik verbunden. Im Jahre 1900 betrug die Schiefe der Ekliptik 23° 27' 8,3". Sie nimmt seither pro Jahr um 0,4685" ab. Im Jahre 2000 ist die Schiefe 23° 26' 21,4". Die Schwankung der Schiefe der Ekliptik zeigt eine Periode von etwa 40 000 Jahren Die Extremwerte liegen bei etwa 21° 5' und 24° 18'. Die Planetenpräzession und der relativistische Effekt wirken in der entgegengesetzten Richtung zur Lunisolarpräzession. Die Summe dieser beiden Beträge, die sog. allgemeine Präzession, beträgt nur 50,26" pro Jahr. Der Präzession überlagert ist die Nutation.